Seedorfer Torhaus
ist seit 1929 im Eigentum der Gemeinde Seedorf und wurde von der Landesregierung unter Denkmalschutz gestellt. Der ehemalige Grundbesitzer Hans Blome hat es im Jahre 1583 erbauen lassen. Das Seedorfer Torhaus ist somit mehr als 400 Jahre alt. Die Balkenkonstruktion lässt einen holländischen Baumeister vermuten, wahrscheinlich Peter von Maastrich. Das Torhaus mit einer früher vorhandenen Zugbrücke war als Einfahrt der mit Wällen und Wassergraben versehenen geschützten Burganlage dem Verteidigungssystem angepasst. Die Gräben und Wälle sind heute noch ebenso vorhanden wie die Schießscharten aus Granitsockeln. Das Erbauungsjahr - 1583 - ist noch heute auf der im Turm hängenden Glocke aus jener Zeit ersichtlich. An der rechten Außenseite des Torhauses befindet sich ein Galgen, der im Mittelalter häufig benutzt wurde. In den unteren Räumen befanden sich Gefängniszellen, die heute als Museumsräume genutzt werden. Die ganze Nordseite zum Hof hin nimmt der frühere Rittersaal mit rund 60 Quadratmetern bei einer Höhe von über drei Metern ein. Als einmalig ist die hier im Original erhaltene Balkenkonstruktion der Decke zu erwähnen. Das Seedorfer Torhaus mit dem darin untergebrachten Torhausmuseum kann nach Vereinbarung oder Anmeldung besichtigt werden. Inzwischen sind die umfangreichen Restaurierungsarbeiten beendet worden.
Versäumen Sie nicht einen Besuch und eine Führung durch unser Seedorfer Torhaus! Sie werden vom einladenden Ambiente wie Rittersaal, Tagungsraum, kl. Museum, alte Bilder etc. überrascht sein! Anschließend verlockt Sie vielleicht ein Spaziergang durch die wunderschönen alten Seedorfer Alleen und zur Stärkung die Einkehr in ein Lokal der Seedorfer Gastronomie.
Für eine Führung kontaktieren Sie bitte Herrn Bürgermeister Horst Schramm, Tel. (0 45 55) 6 00.
St. Jürgen
Zur Geschichte unserer Kirche und Kirchengemeinde (von Peter Stoltenberg):
An der Stelle der heutigen Kirche wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts (etwa 818 n. Chr.) durch den Wendenfürsten Slaomir aus Feldsteinen ein kreisrunder Turm zu Verteidigungszwecken errichtet. Vicelin, der sich 1150 in Bosau niederließ, um von dort aus die Wenden zu christianisieren, nutzte diesen Turm sehr bald als Predigtstätte.
Kurz darauf entstand Schlamersdorf und es bildete sich noch zu Lebzeiten Vicelins die erste Kirchengemeinde. Vermutlich 1593 entstand ein Chorraum mit einem darunterliegenden Grabgewölbe für die Herren von Seedorf. Dem großen Brand, der am 27. Mai 1870 fast das ganze Dorf vernichtete, fiel auch die alte Kirche zum Opfer. Eine Ansicht des alten Dorfes ist erhalten. Vermutlich 1593 entstand ein Chorraum mit einem darunterliegenden Grabgewölbe für die Herren von Seedorf. Dem grossen Brand, der am 27. Mai 1870 fast das ganze Dorf vernichtete, fiel auch die alte Kirche zum Opfer. Eine Ansicht des alten Dorfes ist erhalten.
Die Kirche
Die neue Kirche wurde in den Jahren 1871/72 mit rotem Backstein errichtet und konnte bereits am 3. Jahrestag des großen Brandes, also am 27. Mai 1873, geweiht werden. Die Ostwand des alten Grabgewölbes, das nicht zerstört wurde, ist Grundmauer für die Ostwand der heutigen Kirche. Die Ostwand öffnet sich durch einen Chorbogen zum dahinterliegenden Altarraum, der um zwei Stufen über den Fußboden der Kirche erhöht ist. Seine Rückwand wiederum ist durch ein kreisrundes Fenster durchbrochen, das heute den Namenspatron der Kirche, den heiligen St. Georg darstellt. Dem Chorbogen entspricht ein Bogen an der Westwand, der Platz für die Orgel bietet. Im Westen vorgebaut ist ein Turm mit viereckigem Grundriß, der in der Höhe des Kirchendaches in ein gemauertes Achteck übergeht. Der Haupteingang führt von Westen durch das gewölbte Turmgemach in die Kirche, auf beiden Seiten des Turmes befinden sich Treppenhäuser, die auf die Empore führen. In der Mitte der Südseite befindet sich ein weiterer Eingang mit einem Vorbau. Der Kirchenraum ist 10m breit und 20 m lang, die Turmspitze etwa 40 m hoch. Das Kircheninnere wurde einigemale umgestaltet, das heutige Aussehen entspricht aber in den wichtigsten Merkmalen dem der ersten Jahre. Das Gestühl aus Fichtenholz und der Fußboden sind so alt wie die Kirche. Der Taufstein steht seit der Renovierung 1961 in der Kirche und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er wurde auf einer Weide entdeckt, wo er als Viehtränke diente.
Otto-Flath-Altar
Der Bildhauer Otto Flath vollendete dieses Werk im September 1937 nach seinem Umzug nach Bad Segeberg. Es ist sein vierter (?) Altar und gilt als erster Höhepunkt seines Schaffens.
Der Künstler hat sich hier zum ersten Mal von der üblichen Darstellung als Relief auf einer Altarrückwand gelöst und eine plastische Figurengruppe entworfen. Dennoch wirkt der Altar als ein in sich geschlossenes Ensemble, mit einem Christus in der Mitte, der in seiner Körperhaltung das Kreuz darstellt, zugleich aber seine Arme segnend über die Nachbarfiguren ausstreckt. (Otto Flath hat übrigens bis an sein Lebensende immer wieder versucht, Kreuz und Auferstehung in EINER Christusfigur darzustellen). Nach Aussage von Wilhelm Burmester, der zusammen mit seiner Frau und Otto Flath in einer Wohngemeinschaft lebte, stehen unmittelbar rechts und links unter den Armen Maria und Johannes. Zu den übrigen Figuren gibt es keine näheren Aufzeichnungen, Burmester sagt hier nur, daß es sich um Menschengruppen mit erhöhten Frauengestalten handelt.
Der Altar ist aus Lindenholz gearbeitet und hat eine Größe von 4,00 m zu 3,50m, die Figuren sind also überlebensgroß. Er wurde am 3. Oktober 1937, dem Erntedankfest, durch Pastor Matthaei eingeweiht.
Orgel
Die Orgel wurde vom Orgelbauer Schulze aus Paulinzelle (Thüringen) gebaut. Besonders hervorzuheben ist, daß das gesamte Innenleben der Orgel aus Holz gearbeitet ist. Die Orgel wurde 1988 vollständig überholt.
Sonstiges
Die beiden Stahlglocken wurden im "Bochumer Verein" gegossen und stammen aus Radevormwald im Bergischen Land. Die Kirche wurde vom Architekten Moldenschardt in Kiel entworfen. Die Baukosten sind in der Chronik des Pastor Bruhn detailliert aufgelistet und werden mit rund 60.000 M beziffert. Das Aussehen der Kirche ist sicher nicht eindeutig einem bestimmten Baustil zuzuordnen. Pastor Bruhn spricht in seiner Chronik vom "Rundbogenstil", vielleicht trifft es ein Zeitungsartikel aus den 30er Jahren am anschaulichsten, wenn er von "romanisierenden Formen" spricht.

